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Tetrafunk: Baubiologe Schmidt warnt vor Gesundheitsschäden und hohen Kosten

„Plötzliche Funkabrisse ohne Vorwarnung möglich.“ Nach der Diskussion um einen Tetrafunk-Standort in Bad Aibling referierte der Baubiologe Johannes Schmidt im Gasthaus Kriechbaumer in Mietraching zum Thema. Eingeladen hatte die ÖDP Mangfalltal, der Bund Naturschutz Bruckmühl und Bürgerinitiativen.

„Bayernweit gibt es in über 140 Gemeinden bereits Widerstand gegen diese Funktechnik, 23 Gemeinden, darunter die Stadt Miesbach sprachen sich bereits für ein Moratorium aus und wollen vorerst keinen Standort ausweisen.“, sagte Schmidt.

Die von den Befürwortern angeführten Vorteile relativierte und widerlegte der Referent.

Einige dieser so genannten Vorteile wie etwa die Verschlüsselung oder die Gruppenbildung

seien auch in analoger Technik möglich. Der Datentransfer sei bei Tetra ohnehin viel zu langsam

und der Verschlüsselungscode längst geknackt. Bei einem Katastrophenfall müsse man ein Chaos

befürchten, da die Kommunikation mit der Leitzentrale schwierig sei. Mit dem Funksystem Tetrapol sei Tetrafunk nicht kompatibel. Bei einem Probelauf bei der Münchner Polizei gab es Probleme mit der Feinjustierung des Systems. In Holland und England, wo es Tetra schon länger

gibt registrierte man insgesamt 93 Systemzusammenbrüche.

„Besonders bedenklich sind aber die plötzlichen Funkabrisse, zu denen es bei Tetra ohne Vorwarnung kommen kann.“ Tetra benötige insgesamt wesentlich mehr Strom als der Analogfunk. Bei einem Stromausfall müssten dringend benötigte THW-Kräfte vom Katastropheneinsatz abgezogen werden, um die Stromzufuhr wieder sicherzustellen.

Schmidt: „Für Tetrafunk braucht man 950 neue Masten, die als Dauerstrahler rund um die Uhr mit gepulsten Wellen in den letzten Winkel der Gebäude leuchten. Dies sei zumindest im Radius

von 1000 Meter gesundheitlich bedenklich.“ Die Ergebnisse der Wirkungsstudien zu gepulsten Mikrowellen hingen Statistiken zufolge offensichtlich sehr vom Auftraggeber ab. Komme dieser von der Industrie, würden nur 30 % schädigende Wirkungen auf biologische Systeme angegeben, frei finanzierte Studien bescheinigten in 70 % der Untersuchungen biologische Wirkungen und damit potentielle  gesundheitliche Schäden bereits unterhalb der Grenzwerte.

Eine wissenschaftlich bestens abgesicherter Studie (Uni Zürich) über einen Milchviehbetrieb in der Schweiz belegte nach dem Start eines Mobilfunksenders auf der Scheune 79 Blindgeborene bei 253 Kälbern. Nach Abschaltung des Senders kamen wieder lauter „normale“ Kälber zur Welt. Eine exorbitante Zunahme von Mißbildungen meldete ein Schweinemastbetrieb in Niederbayern.

Schmidt kritisierte, dass die Grenzwerte auch bei Tetrafunk viel zu hoch angesetzt seien. Selbst die WHO und die Europäische Umweltagentur stellten sie in Frage. Ebenso kritisierte er die zu erwartenden hohen Kosten von 10 Mrd. Euro und mehr.

Als Alternative empfahl er den Ausbau und die Modernisierung des Analogfunks, der sich im Prinzip bewährt hätte. „Die Alarmierung muss ohnehin weiter in Analogtechnik laufen.“

Schmidt warf der Projektgruppe Diginet, der Standortplanungsfirma Telent und dem Innenministerium vor, Kommunalpolitiker und Öffentlichkeit einseitig zu informieren. Im Anschluß an den Vortrag fand noch eine rege  langanhaltende Diskussion statt.  Christiane von Festenberg von der Bürgerinitiative Funkbewusstsein moderierte hervorragend und mit viel Feingefühl die kontroversen Diskussionsbeiträge.

Man hatte den Eindruck, dass Aiblings Bürgermeister Schwaller - auch nach der Pro-Tetra-Präsentation 5 Tage vorher – angesichts der eben auch vorhandenen gravierenden Nachteile des seit Jahren versprochenen Funksystems nachdenklich in die anstehende Standortentscheidung gehen wird.

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